— 218—
mir durch die beigefügten Verſe einen ſichtlichen Beweis von der Fertigkeit in ihrer ſchönen Kunſt gegeben.— Du haſt mir aber auch früher Deine Beſorgniſſe mitgetheilt, die Du wegen dieſes in ihrem weichen Herzen allzuleicht aufzuregenden Ge⸗ fühls geiſtiger Hingebung hegteſt, und die, wie ich aus dieſen Verſen zu bemerken glaube, nicht ohne Grund waren.— Daß ſie Dir gehören, iſt keine Frage, aber die Sprache, die darinnen herrſcht, gränzt an Abgötterei, was Du ſelbſt beweiſeſt, indem Du ſchwankeſt, ob nicht ein höheres Weſen damit gemeint ſei.— Ein Weib, das ſeine Ge⸗ fühle ſo lebhaft gegen einen Mann, und ſei es auch ihr Lehrer, ausſprechen kann, hat das Heilig⸗ tbum ihrer Liebe erſchöpft, iſt in ihrer Reigung ſchon höher geſtiegen, als ſie ſollte, und muß, da ſie nicht weiter gehen kann, und das Stillſtehen ſelten bei dem lebhafteren Umtrieb jugendlicher Kraft zu ſuchen iſt, nothwendig zurückgehen,— oder was noch ſchlimmer wäre, von einem Extrem auf das andere gerathen.— Ich würde die Com⸗ teſſe unſtreitig noch mehr wegen ihrer hoffnungs⸗ loſen Neigung und dem Zwang ihrer Verhältniſſe bedauern, wenn ſie Thereſens Charakter beſäße;— ſo iſt mir aber gerade dieſe ihre leichtbewegte, ſich zur pvetiſchen Schwärmerei hinneigende Gemüths⸗ art der ſicherſte Bürge,— daß, da der ſchwerſte


