— 187—
Ich raffte mich auf, ich trat einige Minuten an's Fenſter, ich blickte zum Himmel empor, und bat, mich nicht ſinken zu laſſen; dann begab ich mich wieder auf meinen Platz, doch fürchtete ich zu ſprechen, aus Furcht das Zittern meiner Stim⸗ me möchte meine ruhige Haltung Lügen ſtrafen. —„Wird Angela“, ſagte er ſanft,„mir wieder einen Briefwechſel erlauben?“ Ich neigte bejahend das Haupt.„Würden Sie meiner Lehren, meiner ſelbſt nicht vergeſſen, wenn ich es künftig nur wa⸗ gen dürfte, Ihnen ſchriftlich zu nahen, wenn das ſchöne Vergnügen, welches mir Ihr perſönlicher Umgang gewährte, mir vielleicht nicht eher geſtat⸗ tet wäre, bis Sie der Welt durch ein neues, hei⸗ liges Band angehören?“— Ich fühlte ein krampf⸗ haftes Lächeln um meine Lippen zucken.—„Ich halte es ſo für beſſer!“ fuhr er fort:„Ich werde mich ſo immer in Ihre Nähe denken können, ohne die Schranken vor Augen zu haben, die das äuße⸗
re Leben ſo oft unſeren heiligſten Gefühlen ſtellt,
und Sie werden dem ſorgſamen Freunde, den Sie vielleicht ungern für immer vermißt haben würden, im Geiſte begegnen, und ihn im Andenken behal⸗
ten, ohne dadurch den Rechten der Welt auf Sie,
Comteſſe, entgegen zu handeln.— Richt wahr, wir bleiben im Glauben und Liebe verbunden, An⸗ gela, auch wenn wir uns fern ſind, in jedem Ver⸗
*


