Einen Dag ſpäter.
Guten Morgen, Richardis! O, rufen Sie auch mir zu: guten Morgen, Angela! Ja, ich bin erwacht, ſelig erwacht!— Sonnig breitet ſich vor mir die neue Welt aus, und der Himmel lä⸗ chelt mild und väterlich zu mir hernieder!— Auch Sie haben heute unter dieſem Dome gebetet! Auch Sie fühlten vielleicht die Saiten Ihres Gemüthes vor der Gewalt heiliger Worte erbeben.— O, wie
groß muß die Wahrheit der göttlichen Lehre ſein,
da ſie das Herz ſo beſeligenden Gefühlen eröffnet, wie beglückt die Seele, die ſie ſich zun Tempel gewähl t hat. Ich wünſchte wohl, Sie hätten heute dem Gottesdienſt in unſerer Kirche beiwohnen kön⸗ uen. Welch' eine tiefe Andacht in der zahlreichen Gemeine, aber auch welch' ein Redner!
Ich habe Ihnen ſchon geſagt, daß in Nordens Sprache ein Zauber liegt, den ich mit nichts ver⸗
9leichen kann. Sie bewegt das Gemüth durch den
milden ernſten Ausdruck, der ihr eigen bleibt, ſelbſt wenn von andern Gegenſtänden die Rede iſt. Leiht ſte aber dem Heiligſten, der Religivn, dem Glau⸗ ben, der himmliſchen Liebe ihre Gewalt,— ſo hebt ſie uns zu Gott, indem ſie uns von wahrhaft gött⸗ licher Begeiſterung Kunde gibt.


