die Nacht zugebracht, ſchlief der Kapitain noch. Sein ruhiges, heiteres Geſicht verrieth das voll⸗ kommene Glück, welches man zuweilen im Traume
genießt, nie aber in der Wüklichkeit. Ind be⸗.
trachtete ihn einen Augenblick.
„Er iſt ein braver junger Mann,“ ſagte er zu ſich ſelbſt;„ſeine kühnen, ſtolzen Züge er⸗ innern mich zuweilen an den alten Treml, zur Zeit als ſein Schnurrbart noch ſchwarz war. Er iſt glücklich! Ach, wie gern wollte ich mein ganzes Herzblut darum geben, wenn ich Georg an ſeiner Stelle ſehen könnte!“
Jud nahm ſeinen großen Reiſemantel wieder um, damit er ſein Geſicht verbergen konnte, wenn ihm etwas Verdächtiges begegnen ſollte.„ Es war jetzt völlig Tag; die erſten Strahlen der aufgehenden Sonne fielen durch die ſeidenen Vorhänge in's Zimmer. In dem Augenblick, als Jud ſeinen Degen umgürtete, um ſich zu entfernen, bewegte ſich Didier auf ſeinem Lager.
„Alix!“ ſagte er leiſe.
„Im Hofe iſt die ganze Dienerſchaft des Schloſſes,“ ſprach Jud zu ſich ſelbſt;„ich werde Mühe haben, unerkannt hindurch zu kommen.“*
„Marie!“ murmelte Didier jetzt.
Jud ſah ihn lächelnd an.
„Bravo, junger Herr!“ dachte erz„träumt Ihr nicht vielleicht noch von einer Dritten?“


