Er zählte drei Thüren anf der inneren Ga⸗ lerie des Wirthſchaftsgebäudes und klopfte an die vierte.
Es iſt anzunehmen, daß Frau Goton Rehon,
7
die Wirthſchafterin des Schloſſes, in der Regel zu einer ſo unpaſſenden Stunde keine Beſuche empfing. Die gute Frau zählte ſechzig Jahre,
und in dieſem Alter haben die Wirthſchafterinnen
nur noch Diebe zu fürchten. Sie ſchlief, oder ſtellte ſich wenigſtens, als hätte ſie nichts gehört,
und Jud erhielt keine Antwort.
Er klopfte noch einmal und ſtärker als vorher.
„Jeſus Chriſtus!“ rief die heiſere Stimme der alten Frau,„iſt Feuer im Hauſe?“
„Ich bin es, Jud,“ erwiederte dieſer, indem er wiederholt anklopfte,„Jud Leker!“
Goton war kein furchtſames Mädchen. Sie griff nach einem dicken Stocke und ging dann, um die Thür zu öffnen, obgleich ihr durch das Alter ſchwach gewordenes Ohr keine Silbe von Juds Worten verſtanden hatte.
„Ich komme ſchon, ich komme ſchon!“ brummte ſie.„Sind es etwa die Wölfe, dann will ich ihnen von dem alten Treinl erzählen, und ſie werden keinen Strohhalm in dem Hauſe berühren, das er bewohnt hat; ſind es Geiſter...
Sie ſchlug das Zeichen des Kreuzes und hielt
inne. „Macht doch auf!“ ſagte Jud.


