———
111
„Es ſei ſo,“ ſagte Margarethe, die ebenfalls be⸗ gierig war, die Geſchichte zu hören,„allein ſtets die⸗ ſelbe Vorſicht;„Urſula, laß es ja Niemand wiſſen...“
„O, ich werde ſchweigen, Mademoiſelle, Sie kön⸗ nen ſich darauf verlaſſen.“
„Das iſt gut; hier, nehm' ſie ihren Talisman. Nehn' ſie ſich ja in Acht, daß ſie ihn nicht verliert. Ach Gott! wie glücklich wäre ich, wenn ich ebenfalls einen ſolchen hätte.“
Urbain empfängt das kleine Stück Tuch mit einer Verbeugung und ſchiebt es in ſeine Taſche, während Margarethe die Lampe ergreift, um ihm zu leuchten. „Sie gehen allein fort,“ ſagte Blanca,„und weit vielleicht?“
„Nach dem Thore St. Antoine.“
„O Himmel, und fürchten Sie ſich ſo ſpät auf den Straßen nicht?“
„Hat ſie nicht ihren Talisman bei 63 ſagte Margarethe.
„Ach, es iſt wahr, ich dachte nicht mehr daran.“
„Adieu, Urſula; morgen ſehen wir uns wieder, nicht wahr?“
„Ir, Mademoiſelle.“
Das liebenswürdige Kind reicht Urbain die Hand, der berüt iſt, ſie an ſeine Lippen zu drücken, allein ſich erinzernd, daß er ein Frauenzimmer iſt, muß er ſich dami begnügen, ſie zärtlich zu drücken. Nach⸗ dem er herauf einen ſanften Blick auf Blanca ge⸗ worfen hat folgt er Margarethen. Die Alte geleitet ihn mit derelben Vorſicht zurück, mit der ſie ihn


