Teil eines Werkes 
1. Th. (1844)
Entstehung
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anbete, ſo kann mich dieß hinlänglich entſchuldigen, hier in ſo ſchauderhafter Witterung Schildwache zu ſtehen... Allein noch mehr. Ich frage, bin ich in Emmeline verliebt? Muß ein Verliebter eine ſo hef⸗ tige Leidenſchaft, welche jedes Hinderniß zu beſiegen im Stande iſt, um zum Beſitze der geliebten Perſon zu gelangen, nicht auch auf die Probe ſetzen? Muß er nicht Tag und Nacht an den Gegenſtand ſeiner zärtlichen Neigung denken? Muß er nicht unaufhör⸗ lich von Leid zu Freud, von Verzweiflung zur Hoff⸗ nung übergehen? O, nur zu gut weiß ich, was wahre Liebe iſt! Nachdem ich ſo viele Geliebtinnen gehabt habe, wäre ich in der That unglücklich, yätte ich die Liebe nicht kennen gelernt. Und wenn ich es reiflich überlege, ſo glaube ich ſelbſt, daß ich alle mehr oder weniger geliebt habe. Drum vorwärts! Schön, noch eine Waſſerpfütze! O du Aller⸗Welts⸗ Plätzchen zu einem Stelldichein!

Unſer Spaziergänger ſchüttelte das Waſſer von den Füßen, ſah wieder auf die Uhr, betrachtete ſich die Fenſter des erſten Stockes jenes großen Hauſes, that wieder einige Schritte und nahm ſofort den Faden ſeiner Selbſtbetrachtungen wieder auf:Und Emmeline? Wahrhaftig, ich hätte ſie faſt vergeſſen! In der großen Welt war's, wo ich mit ihr zuſam⸗ mentraf, in dieſer überſpannten Welt, wo man auf philoſophiſche Weiſe mit der Frau lebt, die Einem gefällt, wo die Frauen den Namen des Mannes führen, mit dem ſie ſo lange zuſammenwohnen, bis ein Zank, eine Treuloſigkeit, eine neue Leidenſchaft