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ſagt zu ihm:„Ich will dem Herrn melden, daß Sie da ſind.“
Nach einer Weile kommt der Bediente wieder zu⸗ rück:„Der Herr hat ſeinen Brief noch nicht ausge⸗ ſchrieben,“ ſagte er,„und es iſt gerade Beſuch da, er läßt Sie bitten, ein wenig zu warten, wenn Sie Zeit hätten.— Ja wohl, ſo lange es der Herr wünſcht,“ entgegnet Paul.—„Dann bleiben Sie
nur hier, hier ſind Sie ganz ungenirt, man kommtt
nicht durch dieſes Zimmer.“—
Als Paul allein iſt, ſetzt er ſich und wirft ſchüch⸗ tern ſeine Blicke um ſich her. An allen vier Wän⸗ den ſtehen ringsum Bücherkäſten und Büchergeſtelle mit Glasfenſtern und Glasthüren, einige derſelben ſind offen und man kann Bücher herausnehmen.
Der junge Mann betrachtet all dieſe Schätze des Geiſtes und der Wiſſenſchaft, welche ſich in dem en⸗ gen Raume beiſammen befinden, faſt mit einem Ge⸗ fühle des Neides; er liest die Namen Voltaire, Rouſſeau, Corneille, Moliére, Montaigne, la Fontaine, und denkt bei ſich: Mein Gott! wie glücklich iſt man im Beſitze ſolcher Werke! in ſo gu⸗ ter Geſellſchaft, denn der Geiſt eines Schriftſtellers iſt er ſelbſt, ſeine Werke ſind ſeine Gedanken, wäh⸗ rend man ihn liest, kann man ſich vorſtellen, man höre ihn, er ſpreche mit Einem! Das Genie iſt glück⸗ lich, es ſtirbt nie! kann man je einen Augenblick Langeweile haben, wenn man von ſolchen Männern umgeben iſt!
Paul ſeufzt ſchmerzlich, und da er bedenkt, daß
er vielleicht lange in dem Bibliothekzimmer warten
müſſe, hält er es für kein Unrecht, wenn er eines der vor ihm ſtehenden Bücher aufſchlage. Er greift nach
dem nächſten beſten: es waren Larochefoucaulds
Maximenz er ſetzt ſich wieder und liest eifrig darin. Paul befindet ſich ſchon ziemlich lange in der Bibliothek, aber er liest immer und die Zeit vergeht


