Teil eines Werkes 
2. Th. (1844)
Entstehung
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132 Schreitet man durch die Straße Culture⸗

Saint⸗Catherine, ſo durchdringt Einen gleich⸗

ſam ein Gefühl des Entſetzens, wenn man an den Mord des Connetables von Cliſſon durch Peter von Craon denkt. Denn an der Ecke dieſer Straße hatte ſich der Letztere in der Nacht vom 13. Juni 1391 in Hinterhalt geſtellt. An der Spitze einiger Elenden lauerte er hier dem Manne ab, deſſen Tod er geſchworen hatte.

Opbgleich der Connetable nur ein kleines Meſſer

bei ſich hatte, vertheidigte er ſich mit demſelben ſo

wunderbar, daß er nicht an ſeinen Wunden ſterben

mußte.

Kommt man in die Löwenſtraße, ſo ſuchen un⸗ ſere Blicke noch die Gebäude, in denen die Löwen des Königs eingeſchloſſen waren, und wir erinnern uns unwillkürlich an die Begebenheit, welche dort dem Ritter de Lorges widerfuhr. Während ſich Franz I. an dem Kampfſpiel ſeiner Löwen ergötzte, warf eine Dame ihren Handſchuh in die Arena und ſagte zu de Lorges:Wenn Ihr wollt, daß ich an Eure Liebe glaube, ſo hebet mir dieſen Handſchuh auf.

Der junge Ritter ging hinab, hob mitten unter den Löwen den Handſchuh auf, brachte ihn herauf, warf ihn der Dame in's Geſicht und ſprach nie wie⸗ der ein Wort mit ihr. Das war auch in der guten

alten Zeit. Heutzutage fordern unſere Damen keine

ſolche Beweiſe der Liebe mehr; bei uns iſt die Ga⸗ lanterie nicht ſo wild, und man könnte faſt eine Be⸗

hauptung auf ſie anwenden, die man ſonſt in Be⸗