13
ein Jude ſein.— Ich habe Ihnen bereits geſagt, daß ich ein Lutheraner von polniſcher Abkunft bin. Ich begreife gar nicht, warum Sie mich immer zum Juden machen wollen?— Ei! was würde es denn ſchaden, wenn Sie einer wären?“ fiel Albert ein. „Gibt es nicht unter allen Religionen verdienſtvolle, geniale Leute? und hinſichtlich der Kunſt, des Glückes, der Talente iſt im gegenwärtigen Augenblicke die jüdiſche die bevorzugteſte!... Wir leben nicht mehr in jenem barbariſchen Zeitalter, wo das von Gott geliebte Volk auf Erden gemißhandelt wurde, wo die Söhne Iſraels genöthigt waren, ſich durch ein Kennzeichen an ihrer Kleidung und ihrem Kopfputze von Andern zu unterſcheiden.— Nicht wahr, es war ein gelbes Zeichen?“ fragt Cöleſtin mit höhniſcher Miiene.„Ja, und gegenwärtig iſt dieſe Farbe ſo ſehr in die Mode gekommen, daß ſich Niemand mehr dadurch auszeichnen könnte... Ach, da geht eine junge Schauſpielerin vom Variétés⸗Theater. Wer iſt denn heute bei ihr?— Ein Engländer, der ſich für ſie ruinirt. Es wird nicht lange dauern; ſie richtet ihre Leute bald zu Grunde!...— Sie hat Recht... ſie hat jetzt ihre beſte Zeit... und benützt ſie... In Paris iſt Alles nur von kurzer Dauer.— Ich meine übrigens, wir könnten mehr ſolche Damen anführen, die wenigſtens ſeit fünfzehn Jahren ihre beſte Zeit haben!.. Die haben Geld fricaſſirt!.* — Das Wort fricaſſirt gefällt mir ſehr; es iſt
* Verpraßt. Paul de Kock. XXXIII.


