130 ſchritte macht.—„Liebe Ermance, ſagt ſie oft leiſe, mögeſt Du dereinſt glücklicher werden, als Deine Eltern; ſie gedenkt dabei Eduards, den ſie in Elend und Verzweiflung längſt geſtorben glaubt. Ach, ſagt ſie manchmal zu Jakob, wenn ſie in ſeinen Augen ähnliche Gedanken zu leſen glaubt, wenn ich nur wenigſtens die Ueberzeugung hätte, daß er mit Reue im Herzen die Welt verlaſſen hat! ich fühle, das könnte mir einen leichten Troſt gewähren.“— Jakob antwortet darauf nichts, aber er ruft Ermance und führt ſie zu ihrer Mutter, damit ihr Anblick jede trübe Erinnerung verſcheuche. Er weiß nicht, daß eine Frau in ihrem Kinde immer das Bild deſſen er⸗ blickt, den ſie geliebt hatte.
An einem ſchönen Sommerabend ging Jakob im Garten ſpazieren, Ermance pflückte nicht weit von ihrem Onkel Blumen und Adeline ſaß einige Schritte davon entfernt auf einer Bank und beobachtete mit Wohlgefallen die graziöſen Bewegungen ihres Töch⸗ terchens. Plötzlich ſchreit Ermance, die ſich eben einem Roſengebüſch genähert hatte, laut auf, und bleibt vor Schrecken ſtehen. Adeline und Jakob ſprin⸗ gen herbei, und fragen nach der Urſache ihres Ent⸗ ſetzens.„Da, da, antwortet die Kleine, nach der Gartenmauer hinzeigend, da, ſeht nur, da iſt er noch, Gott! welche ſchreckliche Geſtalt.“
Jakob und Adeline ſehen nach der Seite hin, die Ermance ihnen bezeichnet, und erblicken hinter dem mit Brettern verſchlagenen Gitter, gerade an der⸗ ſelben Stelle, wo ſich ehemals ſder Kopf mit dem
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