189
Blick lag bisweilen etwas ſo Leidendes und Bekuͤmmertes, daß es bis ins Innerſte meines warmen Herzens drang. Du darfſt aber nicht etwa glauben, daß durch dieſen Ausdruck meine Liebe zu ihm vermindert wurde. Wen man ſo unendlich liebt, den will man tauſendmal lieber leidend vor Liebe, als die Liebe uͤber der Freude vergeſſen ſehen. O, was iſt doch die Liebe fuͤr ein feindſeliges Gefuͤhl! Es iſt kaum verzeih⸗ lich, ſeinem Feind ein Leiden zu wuͤnſchen, noch weniger aber dem, den man liebt. Und doch iſt es ſo! Otto's Wehmuth war eine neue Quelle von Seligkeit fuͤr mich.
Als wir hinunter zu unſerm Wagen gingen, kam uns Otto eilig hinterher und fragte, ob er mit uns fahren duͤrfte. Wir ſaßen auf dem Vorderſitze neben einander, aber wir wechſelten kein einziges Wort, denn die Tante fing nun an, ſich uͤber Otto's Ankunft zu freuen und der Onkel ſprach von meinem Triumph, wie er dieſen ganzen Abend zu nennen beliebte. Doch Otto's Hand, welche die meinige heimlich und unbemerkt druͤckte, gab Allem, was er nur im Allgemeinen zu ſagen ſchien, fuͤr mich eine ſehr


