Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
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mal wuchs mein Verlangen, zu erfahren, ob ich mich in dieſem Geſichte getäuſcht, ob Schwachheiten, niedrige Lei⸗ denſchaften, verdorbene Gefühle jemals ihre garſtige Ge⸗ walt über dieſe Seele ausgeübt, die mir ſo ſpiegelklar vorkam, wie das Waſſer in ihrem blitzenden Juwel. Mehr als zwei Monate lang dauerten meine Beſuche bei der Alten fort, und um ihnen vor den Leuten im Hauſe eine Farbe zu geben, weil ja doch jede Sache eine Farbe haben muß, denn die Menſchen glauben nicht gern an das Klare, das Reine, das Farbloſe; um alſo unſerem Verhältniß dieſe nothwendige, in die Augen fallende Farbe zu geben, waren wir übereingekommen, daß ich mich für einen entfernten Verwandten ausgeben ſolle, welcher zu⸗ fällig ihren Aufenthaltsort ausgemittelt habe.

Eines Abends kam ich zu der Alten. Ihr Fuß war ſo weit hergeſtellt, daß ſie aufſtehen und mit Hülfe ihres Stocks im Zimmer umher gehen konnte, welches ein etwas behaglicheres Anſehen gewonnen hatte, und zwar durch ganz kleine und wahrhaftig nicht koſtbare Veränderungen, denn meine Regel iſt immer, blos für das Nothwendigſte zu ſorgen, im Uebrigen aber mit meiner Wohlthätigkeit eben ſo wenig verſchwenderiſch umzugehen, als mit andern Dingen. Eines Abends alſo kam ich zu der Alten zu einer Zeit, wo ſie mich am wenigſten erwartete, denn ich beſuchte ſie ſonſt gewöhnlich Mittags, ehe ich ins Geſell⸗ ſchaftshaus zum Eſſen ging, da ihre Wohnung mir eini⸗ germaßen auf dem Wege lag; nun aber hatte ich an dieſem Tag wie auch ein Paar Tage vorher keine Ge⸗ legenheit dazu gefunden, und deßhalb waͤhlte ich dieſe Däm⸗ merungsſtunde. Der Herbſt war inzwiſchen raſch voran geſchritten und gab ſich bereits rauh und kalt zu empfin⸗ den, ſo daß meine arme Alte ich glaube zum erſten Mal ſich ein kleines Abendfeuer angemacht hatte, wel⸗ ches jetzt luſtig praſſelte und brannte in dem düſtern, alten Kachelofen. Da ihr Fenſter auf den Hof hinaus ging, ſo waren die Vorhänge nicht herabgelaſſen, und als i vorüber kam, ſah ich zwiſchen den Geranien⸗ und Leykoien⸗