Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
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andere Nichtung angenommen hatte und ſich zu der früheren verhielt, wie eine alte Jungfer zu einer alten Frau.

Ich werde ſchon von mir hören laſſen, antwortete ich und holte einen kleinen Bankzettel hervor, um die Frau dafür zu belohnen, daß ſie erſtens nichts von der alten Mamſell eſſen konnte, und zweitens derſelben ſogar von ihren eigenen Sachen gab.Und hier, gute Frau, haben Sie einen kleinen Vorſchuß, ſagte ich.

Nein, ich danke, antwortete ſie mit ächtem Stolz und ſchien mir jetzt weder garſtig noch widerwärtig,ich nehme nie etwas voraus, Das wäre vorgegeſſen Brod, und wenn ich krank würde und nicht kommen könnte, ſo würde man glauben, ich ſei unehrlich oder faul.

Nun, ſo nehmen Sie es als Geſchenk, ſagte ich beſchämt und voll Verwunderung, unter einer ſo unedlen Hülle eine ſo edle Denkungsart zu finden.

Nein, warum ſollte ich das 24 erwiederte ſie.Ich habe bis jetzt nie nöthig gehabt, Almoſen zu nehmen, und Gott im Himmel wolle geben, daß ich ſolche bis zu mei⸗ nem Todestage entbehren kann; Trinkgelder aber nehme ich nie, wenn ich keinen Dienſt dafür geleiſtet habe.

Nun, ſo kaufen Sie der alten Mamſell einige ſchöne Blumen dafür, bat ich, denn ich hatte gar keine Luſt, den Bankzettel wieder zu ſeinen Kameraden zu legen.

Sie müſſen das Geld ſehr überflüſſig haben, da Sie es ſo gerne losſchlagen, ſagte die Frau lachend,und nun muß ich es annehmen, ich mag wollen oder nicht, da es für diejenige gegeben wird, die der Sache ſo bedürftig iſt; aber Sie werden entſchuldigen, mein Herr, wenn ich wenigſtens für drei Viertheile von dem ſchoͤnen Geſchenk Eßwaaren und blos für den Reſt Roſen kaufe, denn ich kann wahrhaftig nicht einſehen, welchen Nutzen oder welche Freude ein Paar Noſen in einem Glas Waſſer bringen können. Aber das kommt wohl daher, weil ich mich nie⸗ mals damit abgegeben habe, denn wenn ich je einmal im Sommer an einem Sonntag Abend ein Paar Stündchen erübrigen kann, ſo gehe ich in den botaniſchen Garten