und dann kehrte er zu ſich zurück, und wie ein Dolch⸗ ſtich fuhr der Vorwurf durch ſeine Bruſt: Wollteſt du vielleicht auch den Mann bloß darum tödten, um ſeines Erbes und deines Lebensglückes ganz ſicher zu ſein?
So ſchnell wie der fallende Stern ſeinen Lauf vollendete, ebenſo ſchnell lief Valentins Geiſt alle dieſe Gedanken durch. Vielleicht hätte in ihm der dunkle Geiſt des Eigennutzes den Kampf gegen den lichten Engel des Rechtes noch einmal gewagt— aber die Eine Sekunde des Zögerns hatte ſchon über Leben und Tod ſeines Feindes das Loos geworfen: der Sterbende öffnete die Augen, verdrehte ſie qualvoll und ſtieß aus den blaſſen Lippen mühſam und kaum verſtändlich die Worte: Waſſer, Waſſer! hervor.
Dem Auflebenden gegenüber war Valentin augen⸗ blicklich wieder ganz Menſch. Bei ſeiner genauen Kennt⸗ niß der Gegend wußte er jeden Fußpfad und fand ſo mit Leichtigkeit ein kleines vom Walde herabkommendes Bächlein, das durch die Felder dem Neckar zulief. Im Helme des Feindes ſchöpfte und brachte er das Labſal; er richtete ihn langſam auf, und als er den Helmrand den Lippen näherte, ſah er mit Staunen die Gier und Kraft, mit welcher dieſe die kühle Fluth ſchlürften. Das harte Röcheln der Bruſt ließ nach, der furchtbare Ausdruck des Angeſichtes milderte ſich. Valentin hatte ſchon ein paar Schritte durchs Weizenfeld gethan, um ſeine Begleiter zu rufen und mit ihrer Hülfe den Kranken im Quartier dem Chirurgus zu übergeben. Aber plötzlich


