Teil eines Werkes 
7.-9. Bdchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

169.

zu erweiſen. Die Lamentationen ſchallten mit hoher, erſchütternder Feierlichkeit durch die Wälder; alle Frauen der benachbarten Weiler hatten ſich verſammelt und ver⸗ mehrten das melancholiſche Wehklagen.

Ungefähr zwei Stunden vor Sonnenuntergang kehrte der Hadji zurück; der Leichnam Alp's wurde nun aus dem Hauſe gebracht, vor welchem ſich eine große Menge Volkes verſammelt hatte, um denſelben zu ſeiner letzten Ruheſtätte zu begleiten.

Der Begräbnißplatz war auf einer Terraſſe am Ab⸗ hange des Berges; ein ſchöner Ort, auf welchem Cy⸗ preſſen und Ahornbäume die Gräber der wackeren Krie⸗ ger beſchatteten, welche hier ihre letzte Ruhe fanden. Ein ehrwürdiger Barde, der das Geſicht verloren hatte, wurde von einem Diener herbeigeführt, im Augenblicke als die von ſechs Jünglingen getragene Bahre heraus⸗ gebracht wurde. Er ſetzte ſich an die Spitze der Pro⸗ ceſſion. Seine Mutter und andere Frauen folgten wei⸗ nend; und Zara in wahnſinnähnlichem Zuſtande, weder weinend noch ſprechend, gieng ganz maſchinenmäßig unter ihnen, und wandte ihre Augen keinen Augenblick vom Leichnam ihres Gatten ab. Hierauf folgte der Hadji mit feſtem Schritt und aufrechter Haltung; ein leichtes Zucken des Mundes und die zuſammengezogene Stirne allein verriethen ſeinen geiſtigen Schmerz. Arslan Gherrei und die anderen Häuptlinge nahmen ihn ihre Mitte und nach ihnen kamen noch die Bewohner des Dorfes.

Während ſich die Proceſſion langſam weiter bewegte, ſtimmte der bejahrte Minneſänger auf ſeiner Leyer eine ſchwache, klagende Weiſe an; ſeine Stimme zitterte als er ſang; am Ende eines jeden Verſes ſielen die Trauern⸗ den im Chor in den melancholiſchen Geſang ein.

Betrau'rt Atteghei den Jungen,

Des ächten Stamms muthigſten Sohn, Der ſo tapfer für Freiheit gerungen; Sein edler Geiſt iſt nun entfloh'n.