4 kleineren Städte Rußlands nur ſehr wenig Bequemlich⸗
keit darbieten. Karl gab durch einige unarticulirte Laute und durch
mehrere Bucklinge zu verſtehen, daß er den Befehl ver⸗
ſtanden habe, und ihn willig befolgen werde; ſchwang hierauf ſeine lange Peitſche, und ließ ſte immer ſtaͤrker und ſtärker auf die Flanken des Pferdes fallen, bis die⸗ ſes widerſtrebend in einen Trab ſtel, und das grobe kleine Fahrzeug über Stock und Stein auf eine nicht ſehr ſanfte Art fortholperte.
Die beiden Reiter ritten ſodann ruhig in einem langſamen Schritte weiter, wie es bei der Hitze eines heißen Sommertages am angenehmſten iſt, und jeder hing ſeinen eigenen Gedanken nach; die des Jüngeren von Beiden ſchienen meiſtens düſterer Natur zu ſeyn, indem öfters ein Schatten von Melancholie über ſeine ausdrucksvollen Geſichtszüge hinzog, ſeine gläͤnzenden Augen zeitweiſe einen begeiſterten Ausdruck annahmen und ſeine Lippen ſich bewegten, wie wenn mächtige Em⸗ pfindungen in ſeiner Bruſt arbeiteten. Sein Freund hingegen gab ſich Mühe, ſich ſelbſt die Reiſe kurzweiliger zu machen durch luſtige franzöſiſche Lieder, die er mit einer hellen, reinen und angenehmen Stimme ſang; dann und wann brach er auch in ein fröhliches Geläch⸗ ter aus. Endlich, wie es ſchien, ſeiner eigenen Gedan⸗ ken überdrüſſig, rief er aus:
3„Gott ſey Dank, mein Freund Jvan, daß wir für immer von dem dummen arbeitſamen Studiren und dem verhaßten Collegienzwange befreit ſind. Bah! Ich habe durch das viele Leſen meine Augen und die geringe Por⸗ tion Verſtand, mit der ich begabt bin, ſo angeſtrengt, daß ich in einem ganzen Jahr von jetzt an in kein Buch mehr ſehen will. Wir werden uns jetzt nicht mehr mit dieſen erdichteten Gefechten abgeben, von nun an erwarten
wir mit Ungeduld den Tag, wo wir auf dem wirklichen
Kriegsſchauplatze Ehre und Ruhm ernten können. Was ſagſt Du dazu, Jvan, ſchlägt Dein Puls nicht ſchneller
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