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Klaſſe im Leben ſtand. Sie waren gleich gekleidet, in halb militäriſcher Uniform; ihre Waffen beſtanden nur in Piſtolen und ſchweren Reitpeitſchen, welch letztere eine nicht zu verachtende Waffe ſind, wenn ſie von einem kräftigen Arme geſchwungen werden.
Man hätte die beiden Reiſenden für Brüder hallen können, wenn nicht die dunkel leuchtenden Augen, die ſchwarzen Haare, die olivenfarbige eſichtshaut und das regelmäßige Profil des Einen, einen zu großen Contraſt mit den lachenden blauen Augen, der hellen Geſichts⸗ farbe und dem blonden Haare des Anderen gebildet hät⸗ ten, deſſen Pyhſtognomie, obgleich ſie der ſeines Beglei⸗ ters nicht gleichkam, etwas männlich Schönes hatte. Sie ſchienen beide beinahe von gleichem Alter zu ſeyn, und waren aus den Knabenjahren in jene fröhliche Zeit des Lebens getreten, wo der Mann Alles aufgibt, was er als kindiſche Streiche ſeiner jüngeren Jahre betrachtet, wo er glücklich und ſorglos iſt, und nicht daran denkt,
wie bald an die Stelledes unbewußten Gluückes mit den
vorgeruckten Jahren Sorgen und Widerwärtigkeiten aller Art treten, welche der Menſch vom Mannesalter bis in das Grab zu tragen verurtheilt iſt.
Der letzt Erwähnte von den beiden Reiſenden war in der That der Aeltere, obgleich er durch das heitere Lächeln bei jeder Gelegenheit und ſein munteres, fröhli⸗ ches Weſen jünger ſchien, als ſein ernſterer Gefährte. In geringer Entfernung folgte ihnen ein ſchlechter unan⸗ ſehnlicher Karren, der ihr Gepäck enthielt; er wurde von
einem langhärigen kleinen Pferdchen gezogen, deſſen Füh⸗ rer nicht weniger rauhhärig und verwildert ausſah, als das Thier ſelbſt. Ein ſchlechter breitkrämpiger Filzhut bedeckte ſeinen rothhärigen Kopf und ein ſehr langer Bart von der⸗ ſelben Farbe hing ihm bis auf die Bruſt herab. Der freundliche Blick ſeiner hellgrauen Augen und ein leich⸗ tes Lächeln auf ſeinen Lippen gaben ſeinem ſonſt nichts ſagenden geiſtloſen Geſichte einen gutmüthigen Ausdruck. Sein Anzug beſtand in einem langen Rocke von


