Teil eines Werkes 
4. Theil (1815) Ausgewählte Erzählungen
Entstehung
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175 den. Alles war einſam. Nur ein einziges Mahl glaubte mein aufmerkſames Ohr ein Gewiſper zu vernehmen, mein Auge zwey in einem Winkel lau⸗ ernde Vermummte zu entdecken.

In geſpannter Erwartung der Dinge, die da kommen ſollten, ſtand ich endlich vor einer Thüx, welche die Mohrinn ſchweigend öffnete. Ein Licht⸗ ſchimmer drang hervor, und auf einem Ruhebette ſaß in ſchwarzer Venetianer Tracht eine Dame, ganz dazu geſchaffen, die Sinne, ſelbſt des Unempfind⸗ lichſten, zu berauſchen. Die ſammtene Halbmaske diente nur dazu, die blendende Weiße ihrer Haut deſto auffallender zu machen; die ziemlich entblößte Bruſt war mit mehreren Perlenſchnüren geſchmückt; an dem Federbuſche des Hutes flimmerte eine Aigret⸗ te von Edelſteinen.

Ich kann es nicht laͤugnen, daß mir bey die⸗ ſem Anblick wunderbar genug zu Muthe ward; aber noch ſchwieriger ward meine Rolle, als die verfüh⸗ reriſche Venetianerinn in der Fülle ihrer üppigen Schönheit zu meinen Füßen ſtürzte und meine Hand mit Küſſen bedeckte.„Finde ich Sie endlich wieder, geliebter Prinz!“— rief ſie mit dem ſchmelzendſten Tone—„b wie unendlich hat Ihre Uzelle gelitten, ſeitdem das Schickſal uns trennte!“

Nun wußte ich ja, woran ich war! Ich faßte die Hand der Dame.„O beruhigen Sie ſich, Sig⸗

nora!“— ſagte ich mit kalter, unverſtellter Stim⸗