15 zu ſeiner Amalie tragen ſollten, trat der junge Ver⸗ ſucher mit verſtellter Theilnahme zu ihm und ſprach „Ich fühle ihren Kummer, mein Freund; ich theile ihre Sehnſucht. Darum vertrauen Sie ſich mir; ich verſtehe Sie— denn auch ich liebte— aber ach! unglücklich!“
„Sie 2“— erwiederte Ferdinand lächelnd— „Wie alt ſind Sie denn 2“
„Drey und zwanzig anjetzt, doch, ſo wie Sie mich hier ſehen, ſchon einmahl in meinem ſechzehn⸗ ten bis über die Hutſchnur verliebt.“
„Ihr Roman muß intereſſant ſeyn!“
„Wenigſtens belehrend! Ich war einen ganzen Monath lang feſt entſchloſſen, meine ganze Lebens⸗ zeit im ſtrengſten Cölibat zuzudringen.“
„Darf man fragen, wer die Grauſame war 28
„Hören Sie die Leiden des jungen Heimfelds! — Ich war erſt ſechzehn Sommer alt, unſchuldig und nichts weiter; da reiste ich mit meinem Herrn Papa auf die Meſſe. In der Woche gab es natür⸗ lich ſtets zu arbeiten; dafür ſchmausten wir aber auch Sonntags weidlich, und ich verſäumte niemahls den großen Ball, wozu ich von einer bekannten Fa⸗ milie regelmäßig eingeladen wurde. Ich ſah mich anfänglich faſt blind an den vielen hübſchen, aufs anlockendſte herausgeputzten Kinderchen, bis ich end⸗ lich die Eine, Einzige, bald auch Vielgeliebte, er⸗ blickte. Faſt mir an Jahren gleich, gewachſen, wie eine Nymphe, an Anmuth und Holdſeſigkeit Cy⸗
ch:


