247 „Faſſen ſie ſich, lieber Freund!“— fuhr ſie fort, da er ſie mit großen, aber ruhigen Augen ſchweigend anſah—„rufen ſie alle ihre Stand⸗ haftigkeit zuſammen, ſo will ich ihnen auch ohne Furcht etwas vertrauen, das ich ſchon lange gegen ſie auf dem Herzen trug, und nun nicht laͤnger verſchweigen mag. Unſere liebe Mally hat oftmahls mit ſuͤßem Laͤcheln nach einer Roſe verlangt, die wir ihr doch, wie ſie wiſſen, nicht geben duͤrfen, und ich glaube faſt, daß irgend ein anderer Sinn darunter verborgen iſt, den wir vielleicht zu entraͤthſeln im Stande ſind.* Wunderbares Verhaͤngniß!— rief Alwil zagend— was haſt du uͤber das Gluͤck meines Lebens beſchloſſen? „Gewiß waltet hier ein ſonderbares Geheim⸗
niß ob. Unmoͤglich koͤwne wir aber doch gerade
etwas Schreckliches zu befuͤrchten haben“—
Ich beſchwoͤre ſie bey ihrer Liebe zu Mally, bey dieſen meinen Thraͤnen! was iſt ihnen von Mally's fruͤheſter Geſchichte bekannt?
„Was ich weiß, will ich ihnen nun mit Vergnuͤgen entdecken. Ihre Mally wurde mir, da ſie ungefaͤhr ſieben Jahre alt war, von mei⸗
nem Bruder, dem verſtorbenen Caplan auf der
Herrſchaft Derr/r in Boͤhmen, uͤbergeben. Ibre treue Pflegerinn war damahls eben verſtor⸗ ben. Ich erhielt ſeitdem von dem Verwalter jene⸗


