Teil eines Werkes 
2. Theil (1815) Ausgewählte Erzählungen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

———————

—

25 Die junge Welt ahndet nun verborgene Schaͤtze; Neugier, vielleicht auch edler Durſt nach Wiſſen, muͤhet ſich ab, die Hieroglyphen zu entziffern, und findet mit Erſtaunen, daß auch unter den Horden untergegangener Barbaren Herzen menſchlich fuͤhlten, Geiſter mit hoͤherer Wuͤrde erfuͤllt wa⸗

ren! Einige, vielleicht mebrere Jahrhunderte prangt dann das Wiedergefundene mit der Glorie

ſeiner Alterthuͤmlichkeit und Palingeneſte umge⸗ ben; aber nun ziehen neue Stüͤrme uͤber die Erde, verwehen den Fund mit dem Finder, wer⸗ fen ſie beyde vereint in den gähnenden Schlund der Vernichtung.—

Doch zuruͤck von dieſer Ausſchweifung, wozu uns nur der Nahme des edlen Saͤngers Cani tz*) verleitete!

Auch er, obſchon zu jener Zeit, in wel⸗ che dieſe Geſchichte faͤllt, als Dichter nur ſeinen Freunden, den uͤbrigen Zeitgenoſſen aber, unge⸗ achtet ſeines noch zugendlichen Alters, als der vorſichtigſte und gewandteſte Staatsmann bekannt,

4 ) Fridrich Rudolf Ludwig, ſpäterhin Fre j⸗ herr, von Cani t, ward nach ſeines Vaters Tode ge⸗ boren den 27. November 1654, und ſtarb in ſeinem 45. Jahre, als Chur⸗ Brandenburgiſcher geheimer Staats⸗ rath, am 11. Auguſt 1699. Seine geſammelten Ge⸗ dichte erſchienen erſt nach ſeinem Tode im Jahre 1700, und wurden zehn Mahl wieder aufgelegt. Unterhalt, Biblioth. 11, B. B