Teil eines Werkes 
2. Theil (1815) Ausgewählte Erzählungen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

142

SZeit hinzubringen und ihre Ungeduld zu bemei⸗ ſtern, ſchon ſeit einigen Tagen alle Zimmer zum Empfange mit Blumen geſchmuͤckt habe; daß ſie ſelbſt ſchon mehrere Mahle auf die Anhoͤhe gegan⸗ gen ſey, um zuerſt die Erwarteten zu erblicken

und die frohe Bothſchaft zu uͤberbringen. Dann

hieß ſie die Grafen nur langſam nachfolgen, und flog mit ſchnellen Schritten nach dein Schloſſe.

Ihre eilige Ankunft, noch mehr aber ihr

Blick, verrieth der am offenen Fenſter ſtehenden Gräfinn Mutter einen der froheſten Augenblicke ihres Lebens. Sie wollte die Treppe hinab, aber ihre zitternden Knie verſagten ihr dieſen Dienſt; halb ohnmaͤchtig ſank ſie an die Bruſt der herzu⸗ fliegenden Maria, und erwachte erſt in ihrem Zimmer zu der Umarmung der von ihr knieenden, ihre Hand mit Kuͤſſen bedeckenden Soͤhne. Mun verlebte die Graͤfinn mit ihren drey Kindern— denn das Fraͤulein ſollte und mußte durchaus auch dafuͤr gelten— einen gluͤcklichen Monath, wie in dieſer Reinheit noch wenig Sterblichen zu Theil ward. Doch auch er, wie alle menſchliche Freuden, verfloß nur gar zu bald,

und die Grafen mußten ſich, um ihrer laͤngſt er⸗

waäblten Beſtimmung baldigſt naͤher zu kommen,

an den Hof des Churfuͤrſten verfuͤgen. Bekanntlich hatte dieſer eben ſo ſiegreiche, als ſtaatskluge, damahls faſt ſechzigjaͤhrige Fuͤrſt