Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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das äußere wie das innere Weſren der ehemaligen Hell⸗ ſeherin iſt jetzt völlig verändert. Man erkennt es auf den erſten Blick, daß ſie nicht mehr unter dem des⸗ potiſchen Zwange des Wahrſagers ſteht, denn ihr Benehmen iſt frei und unbefangen, ja hochmüthig und abſtoßend. Sie trägt nicht mehr das ein⸗ fache ſchwarze Kleid von ehedem, ihre Coiffure iſt nicht mehr unſcheinbar und geſchmacklos ge⸗ ordnet, ihr Blick, jetzt von dem Zwange der Ver⸗ ſtellung befreit, hüllt ſich nicht mehr in Schüchtern⸗ heit und myſtiſche Träumerei. Nein, unſere Be⸗ kannte hat ſich plötzlich zu einer vollſtändigen Mode⸗ dame entpuppt; eine ſchwere ſeidene Robe rauſcht bei jeder ihrer Bewegungen, ein zierlicher Halbſtiefel blickt unter dem Kleide hervor, ihr volles, glänzend ſchwar⸗ zes Haar fällt in dichten Locken auf ihren weißen Nacken herab, ihr kleiner Mund athmet Stolz und Selbſtbewußtſein und in den ſchönen, großen, dunklen Augen ſpiegelt ſich das Feuer ihrer ſüdlichen Abſtam⸗ mung. Herr Winburg hat ebenfalls ſeinen langen fal⸗ ſchen Bart abgelegt und ſtatt des weiten Talars trägt er jetzt einen Frack nach modernem Zuſchnitt. „Unſere Verbindung iſt alſo jetzt aufgelöſt, Made⸗ moiſelle“, ſagte der ehemalige Candidat,„und die Stunde naht, wo wir uns werden trennen müſſen.“