Teil eines Werkes 
3. Theil (1821)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

235

jener zuvor von der Wirkung des Trankes wuͤrde belehrt haben, indem er ſich auf einige Zeit ent⸗ fernte und ihn erſuchte, ſeine Zuruͤckkunft ruhig zu erwarten.

Cerrino harrte der Ruͤckkehr ſeines Getreuen ungeduldig entgegen, und voll Verdruß uͤber deſſen langes Verweilen, war er eben im Begriffe, die Urſache ſeines Zoͤgerns zu erforſchen, als die⸗ ſer ihm endlich erfreut meldete, daß es Zeit ſey.

Lucillo fuͤhrte ihn durch die langen duͤſtern Gaͤnge des Schloſſes nach dem entſernteſten Theile deſſelben zu der wohlverwahrten Thuͤre eines

abgelegenen Zimmers, in welchem er Dianoren

finden ſollte. Lucillo ſchob leiſe die Riegel hin⸗ weg und oͤffnete die Thuͤre, die zu einem hoch⸗ ewölbten, nert ausmeublirten Gemache fuͤhrte⸗ die hohen mit eiſernen Staͤben verwahrten Bo⸗ genfenſter waren durch rothſeidene Gardinen ver⸗ huͤllt, durch welche die Sonnenſtrahlen einen mil⸗ den roſenfarbigen Schimmer umher verbreiteten Lucillo ſchob Cerrino leiſe hinein, trat dann zuruͤck und verſchloß hinter ihm die Thuͤre Im leichten Morgengewande lag die Gefangene auf einem Sopha vom magiſchen Schimmer der Fenſtergardinen umfloſſen. Sie ſchien zu ſchlum⸗ mern, und ein duͤnner Schleier bedeckte ihr Ge⸗ ſicht. Voll wilder Glut naͤherte ſich Cerrino leiſe