— 248— Graͤfin. Lorenzo hat mich fruͤher ſchon darauf vorbereitet, und ſchon ſeit langer Zeit habe ich Eurer Ankunft und der verheißenen Erklaͤ⸗
rung mit vieler Sehnſucht entgegen geſehen.
Alter. Es waͤre vielleicht beſſer geweſen, wenn Sie nicht Lorenzo genoͤthiget haͤtten, Ihnen ſein Wort zu erfuͤllen.
Graͤfin. Warum das? Ich verſpreche mir in Eurer jetzigen Erſcheinung Aufſchluß und Ge⸗ wißheit uͤber Raͤthſel, die mir von großer Wich⸗ tigkeit ſind, und deren Aufloͤſung allein mir mei⸗ nen geſtoͤrten Seelenfrieden wiedergeben ſoll. Alter. Moͤge dieſe Erklaͤrung es doch wirk⸗ lich bewirken!
Graͤfin. Faßt Euch deutlicher; Eure Mit⸗ theilung, wie ſie auch immer beſchaffen ſeyn mag, wird mich nicht unruhiger machen koͤnnen, als die aͤngſtliche Ungewißheit, worin ich ſo lange ſchon ſchwebe..
Alter. Graͤfin, Sie haben Ihren Freund Lorenzo in eine furchtbare Verlegenheit und Be⸗ ſorgniß verſetzt, wodurch das ganze ſchoͤne Ge⸗ baͤude ſeiner vieljaͤhrigen Anſtrengungen, Wuͤn⸗ ſche und Hoffnungen in der Grundfeſte gewalt⸗ ſam erſchuͤttert wurde. Sie haben Ihr Geluͤbde verletzt und den Bitten ihres Freundes zuwider das verzehrende Feuer einer unſeligen Leidenſchaft in dem Herzen Ihres Sohnes und Dianorens beguͤnſtiget, welche gewiſſe Verhaͤltniſſe zum Ver⸗ brechen ſtempeln. Warum mußten Sie das thun? Graͤfin. Ihr thut mir Unrecht. Ich ver⸗ ſuchte Alles, um dieſe Leidenſchaft in meines


