die Gegenwart der Geſellſchaft verhinderte. Kaum war man aber nach der Stadt wieder aufgebrochen und ſie zu Hauſe und auf ihrem Zimmer ange⸗ langt, als ſie ſogleich ihre Kammerfrau entfernte, und das Papier hervorzog. Sie löͤſte haſtig das Siegel, und ihre Ueberraſchung erreichte einen neuen hohen Grad, als ihr bei dem Entfalten des Blattes die Haͤlfte eines zerbrochenen Ringes in die Haͤnde ſiel. Sie eilte nach ihrem Schmuck⸗ kaͤſtchen, um den von Lorenzo erhaltenen halben Ring mit dieſer ſo eben bekommenen Haͤlfte zu vergleichen, und uͤberzeugte ſich zu ihrer Freude, daß ſie genau zuſammen paßten. Sie unterſuchte
das Papier genauer und ſand folgende Zeilen
darauf geſchrieben: „Morgen Nachmittag um fuͤnf Uhr erwartet Sie in der Kapelle Sankt Thekla der Freund Lorenzo's, den Ihnen die Inlage dieſes Blat⸗ tes bezeichnet, zu einer geheimen Unterredung, welche die ſtrengſte Geheimhaltung und Ver⸗ ſchwiegenheit gegen Jeden zur nnerlaßlichen Bedingung macht.“ Jetzt wurde es ploͤtzlich Licht vor ihren Augen. Leicht wußte ſie ſich nun mehr das ſeltſame Betra⸗
gen des alten Moͤnches in dem Karmeliterkloſter zu
erklaͤren; denn nach dem Beweiſe, den ſie gegen⸗ waͤrtig in dem zerbrochenen Ringe in der Hand


