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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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allen die Freuden im Hauſe, in der Familie. Nein, Gott ſei Dank, mein Leben als Geiſtlicher war nie freudenarm.“

„Ja, ja,“ entgegnete Georg.„Sie haben ſchon Recht. Das iſt aber auch wahr, wenn man Sie in Ihrem Hauſe ſieht, und wie da Alles ſo eintraͤchtig und froͤhlich hergeht, und wenn man Sie ſelber anſieht, wie Sie immer ſo heiter und zufrieden ausſehen, da lernt mans wohl einſehen, daß es auch noch andre Vergnuͤgungen giebt, die Einen innerlich ſo recht froͤhlich machen koͤnnen. Es iſt wahr, wenn man ſo ſeine Kinder anſieht, und die Enkelchen,— oder wenn man auf die Felder geht, oder ein gutes Buch lieſt von guter Men⸗ ſchen Leben und Sterben, da lacht Einem auch das Herz im Leibe.— Ja ja, Herr Paſtor, Sie predigen nicht blos Sonn⸗ tags, Ihr ganzes Leben, auch in Ihrem Hauſe, iſt fuͤr uns Alle, die wirs nur annehmen wollen, auch eine Predigt. Gut Exempel, halbe Predigt!“—

„Wir haben Alle, Alle noch viel zu lernen, und wer auch in keinem Worte fehlet, iſt ein vollkommner Mann,“ ſagte der Paſtor ernſt, als er ſich von Georg verabſchiedete.

Als er auf dem Heimwege durchs Dorf bei Johanns Wohnung voruͤbergegangen war, kam ihm haſtig der alte Tod⸗ tengraͤber nachgeſprungen.

„Herr Paſtor, Herr Paſtor,“ rief er mit halber Stimme, „koͤnnen Sie nicht ein wenig zu uns hereinkommen? Wir haben rechtes Hauskreuz; da iſt nun wieder mein Enkelchen, das Kind meiner Eliſabeth, krank geworden, und das nimmt ſich der Johann ſo zu Herzen.— Sie wiſſen, er hat das Kind ſo lieb, wie ſein Leben, ſeit ſeine Kinderchen alle geſtorben ſind. — Da ſitzt er nun finſter in ſich gekehrt am Bette, redet wenig— und wir wiſſen nicht, was wir mit ihm anfangen ſollen.“—

Der Pfarrer ging ſogleich mit hinein in die Stube. Freu⸗ dig ſtand Eliſabeth von ihrer Arbeit auf, um den Paſtor zu begruͤßen, und machte viele Entſchuldigungen, daß es gar nicht ſo ordentlich in der Stube ausſaͤhe, als es eigentlich ſein ſollte, aber ſie haͤtte nicht gedacht, daß ſie ſo einen Beſuch bekommen wuͤrden. Sie nahm dem Pfarrer Hut und Stock ab und ihr ganzes Geſicht leuchtete vor Freude, als der Pfarrr lobend die ſchoͤnen vollen Lackſtoͤcke am Fenſter ruͤhmte, die ſie ſelbſt gezogen hatte, und die fetten Muskatſtoͤckchen lobte und

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