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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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„Sie wiſſens doch, daß ich nicht ſpiele, niemals ſpiele!“ eiferte der Paſtor.

„Ja, Sie verzeihen,“ entgegnete Georg,“„warum aber nicht? Iſt denn das Kartenſpiel etwas Gottloſes?“

„Nein, nein,“ betheuerte der Paſtor,„nur ich, ich als Geiſtlicher mag nicht ſpielen. Seht, Georg, es iſt das ein Spiel, wie alle, es regt mehr oder weniger die Leidenſchaften auf; was ſoll ich dazu ſagen, wenn das bei meinen Mitſpielern geſchieht? Ja, koͤnnte ich mich ſelbſt nicht doch einmal vergeſſen?— Seht Georg, es giebt Geiſtliche genug, die das und manches Andre mitmachen, und dabei doch ſehr ehrenwerthe Maͤnner ſind, die unbedenklich an Kartenſpielen, Jagden, Schuͤtzenfeſten ja ſelbſt an Tanzvergnuͤgungen Theil nehmen. Sie koͤnnen dabei recht gute Geiſtliche ſein; aber ſagt ſelbſt, Georg, wenn Ihr auf dem Krankenbette oder in Eurer Todesſtunde eines geiſtlichen Zu⸗ ſpruchs beduͤrftet, oder das heilige Nachtmahl genießen wolltet, wuͤrde es Euch nicht doch vielleicht in Eurer Andacht ſtoͤren, wenn Ihr wuͤßtet, der Geiſtliche kaͤme eben vom Kartenſpiele in der Schenke, oder vom Balle, oder von der Jagd?— Es iſt alſo kein Standesſtolz, kein Ueberbleibſel des Pfaffenthums, Nen Ich gerade mir ſolche Vergnuͤgungen verſagen zu muͤſſen glaube!“—

„Der Geiſtliche hat in unſrer Zeit eine ſchwierige Stel⸗ lung,“ fuhr der Paſtor fort,—„man will, er ſoll Menſch ſein, ganz ein Menſch, wie alle Andre;— man tadelt jede Abſonderung, man argwoͤhnt in jedem von der Welt Zuruͤck⸗ gezogenem geiſtlichen Hochmuth und den alten Prieſterſtolz, — und doch wird ſelten Jemand einen Geiſtlichen, der ſich ganz der Welt gleichſtellt, eben als Geiſtlichen leiden, als Beichtvater und Seelſorger waͤhlen moͤgen. Die Perſon wird ſich niemals vom Amte ganz trennen laſſen. Die Gemeinde wird bei des Geiſtlichen amtlichen Verrichtungen unwillkuͤr⸗ lich ſich den Mann vergegenwaͤrtigen, wie er im gewoͤhnlichen Umgangsleben ſich darſtellt. Man verlangt Unmoͤgliches, wenn der Geiſtliche von Nichts ſich zuruͤckziehen, Alles mitmachen und doch ein wuͤrdiger Seelſorger ſein ſoll, der bei Allen Ver⸗ trauen und Hochachtung erwecke und finde!— Wuͤrde z. B. Jemand einen Geiſtlichen, den er als guten Jaͤger, Reiter, Taͤnzer und Spieler kennt und vielleicht liebt, wenn er die Wahl haͤtte vor Andern, gerade als ſeinen Beichtvater