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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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den glauͤbigen Chriſten mit den heiligen, kirchlichen Gebrauͤchen, mit Gebet und Gotteswort und Gottesdienſt, verbunden hat, leicht ganz verloren gehen, weil eben das Heilige ihm laͤcherlich gemacht wurde. In die heiligſten Gemuͤthsſtimmungen drän⸗ ſich dann unheilige, laͤppiſche Erinnerungen ein, und einmal ge⸗ hoͤrter frevelhafter Witz, eine niedertraͤchtige das Heilige laͤcher⸗ lich machende Vergleichung, ein boshaftes Wortſpiel ſtoͤrt oft die innigſte Andacht, ſelbſt ganz wider Willen, und verderbt und entweiht uns die ſchoͤnſten Stunden heiliger Gemuͤthserhe⸗ bung!——

3Schon lange hatte der Pfarrer Gelegenheit geſucht um ſich unbemerkt zu entfernen; Georgs Bitten hatten ihn noch zuruͤck⸗ gehalten; als aber jetzt der Erzaͤhler immer groͤbere Spaͤße er⸗ zaͤhlte, und die gemeinſten Unziemlichkeiten zum Beſten gab, ließ der Pfarrer ſich nicht laͤnger halten, und wollte ganz im Stillen die Stube verlaſſen. Leider wurde er bemerkt; man eilte von allen Seiten auf ihn zu, fragte, bat, entſchuldigte, ſo daß der Pfarrer gar nicht hindurchkommen konnte, und faſt un⸗ geduldig wurde. Als aber auch der Gemeindevorſtand herzu⸗ trat, und ſpoͤttiſch bemerkte:„Warum er denn fortgehen wolle, und ob ihm etwa ſeine Geſchichtchen nicht gefallen haͤtten, und daß das ja weiter Nichts waͤre,“ da konnte ſich der Pfarrer nicht laͤnger halten; die Hitze uͤbermannte ihn; er ſagte dem ge⸗ meinen Erzaͤhler ziemlich derb die Wahrheit, und verließ unter allgemeiner Aufregung der ganzen Kindtaufgeſellſchaft haſtig das Zimmer.

Der Gemeindevorſtand war wuͤthend uͤber dieſe Demuͤthi⸗ gung und die derben Wahrheiten, die ihm der Pfarrer vor ſo großer Geſellſchaft geſagt hatte. Dazu kam es, daß von allen Seiten jetzt laute und halblaute Vorwuͤrfe ſich hoͤren ließen, und er den Tadel ſeines Benehmens auf den meiſten Geſich⸗ tern leſen konnte. Die ganze Heiterkeit war geſtoͤrt. Verſtimmt und kleinlaut ſetzte ſich die Geſellſchaft zu Tiſche; man aß und trank, und doch ſchmeckt es Keinem recht, des Pfarrers leere Stelle an der Tafel erinnerte immer wieder an das Vorgefallene und je lieber man den guten Pfarrer hatte, je mehr man das ihm zugefuͤgte Unrecht fuͤhlte, deſto peinlicher wars fuͤr Alle, daß er die Geſellſchaft verlaſſen hatte, und ſie gleichſam nicht fuͤr werth hielt, in ihrer Mitte zu verweilen. So kam es, daß man bald auseinander ging; der Gemeindevorſtand mit bit⸗