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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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Mann, unſern Wirth,“ ſagte der Paſtor leiſe zu Georg,„daß er ſich ſo weit vergißt.“

„Ordentlich?“ verſetzte Georg,„Herr Paſtor, Sie nehmen mir's nicht uͤbel, der Schein truͤgt!“

Verwundert blickt der Pfarrer nach dem alten Eiferer, aber die Art und Weiſe des Widerſpruchs verdroß den Pfarrer nicht. Georg nahm ſich mehr heraus, und durfte ſich mehr heraus nehmen, als andre Gemeindeglieder, nicht blos, weil er als Kirchvater mit dem Pfarrer in einem vertraulicheren Verhaͤlt⸗ niſſe ſtand, ſondern auch weil der Pfarrer den ehrenfeſten alten Mann, in ſeiner alten derben Weiſe gern hoͤrte, und durch ihn ſo manche Andeutungen und Winke uͤber die Eigenthuͤmlichkei⸗ ten des Volkslebens, uͤber die Weiſe und Denkungsart des Bauernſtandes, uͤber die Beduͤrfniſſe der Gemeinde und einzel⸗ ner Glieder derſelben erhielt und erhalten hatte, welche ihm fuͤr ſein Wirken in der Gemeinde um ſo wuͤnſchenswerther waren, als ja der evangeliſche Geiſtliche ſeiner Gemeinde immer noch zu fern ſteht, und unbekannt mit ihren Beduͤrfniſſen bleibt, ſo lange nicht die wahrhaft evangeliſche Einrichtung von Presby⸗ terien, von Kirchenaͤlteſten aus der Gemeinde, wie es in evangeliſch⸗reformirten Laͤndern geſchieht, die tuͤchtigſten und froͤmmſten Gemeindeglieder zu Mithelfern des Pfarrers macht.

„Herr Paſtor,“ fuhr jetzt Georg vertraulich fort,„mit der Ordentlichkeit des Chriſtian Brenz iſt's nicht weit her. Er trinkt ſchon ſeit laͤnger ſehr ſtark. Bald nach ſeiner Verheira⸗ thung hat ers angefangen. Es giebt immer Zank unter den Eheleuten; man ſagt, ſie leben wie Hund und Katze.— Dazu kommt, daß ihm die Geſchichte mit der Eliſabeth doch auch recht im Kragen liegen mochte; ſo hat er das Alles wohl wollen ver⸗ geſſen, und ſich den Trunk angewoͤhnt. Jetzt kommt er ſehr wenig mehr nach Hauſe, hat ſich an liederliche Geſellſchaft in der Stadt gewoͤhnt und—„wer mit Hunden ſchlaͤft ſteht mit Floͤhen auf!“— Wenn der's ſo fort macht, wird er mit ſeinem Vermoͤgen bald zu Ende ſein; der alte Brenz hat ſein Gut ſchon verkauft, und das Geld an die beiden Bruͤder vertheilt; aber es ſcheint bei keinem anzuſchlagen. Mein Schwiegerſohn, das Gott erbarm, verſpielts zu Hunderten, und was er etwa gewinnt, gedeiht auch nicht.„Jeder Kreuzer, gewonnen im Spiel, traͤgt dem Teufel Procente viel.“— Unſer Wirth aber machts dem Bruder nicht nur nach, ſondern der hat noch außer⸗