Teil eines Werkes 
1.-6. Bdchen (1851)
Entstehung
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Iſt Madame Marceau unwohl? fragte Nathalie, ſich erhebend.

Nein, Madame wurde, Gott ſei Dank, nicht ſchlim⸗ mer; Madame hat ihr Riechfläſchchen liegen laſſen und lai mich darnach, ſie möchte es in der Nacht ver⸗ miſſen.

Das Riechfläſchchen wurde in und unter dem Sopha geſucht, aber nicht gefunden.

Mon Dieu! bemerkte Amanda mit großer Ein⸗ fachheit,es würde mich nicht wundern, wenn es dennoch in dem Zimmer der gnädigen Frau wäre.

Eine zweite fruchtloſe Nachſuchung überzeugte die femme-de-chambre, daß dies der Fall war, und mit einer hübſchen Entſchuldigung wegen ihres Eindringens verließ ſie das Zimmer. Von dem Augenblick ihres Ein⸗ trittes an hatte Herr von Sainville ſein Buch in die Hand genommen; er ſah weder während des Durchſu⸗ chens, noch nach Amandas Weggang auf. Nathalie, welche ſich durch ſeine fortwährende Anweſenheit etwas in Verlegenheit fühlte, nahm zum Scheine die Nachſuchung nach dem verlorenen Riechfläſchchen wie⸗ der auf.

Machen Sie ſich keine unnoͤthige Mühe, ſagte Herr von Sainoille ruhig aufſehend,ich erinnere mich jetzt, daß ich das Riechfläſchchen, ehe ich hieherkam, um mein Buch zu holen, auf ihrem Arbeitstiſchchen liegen ſah. Amanda wird es ſogleich ſehen, wenn ſie in das Zimmer kommt⸗

Nathalie warf ihm einen Blick des Erſtaunens zu; ſein Geſicht war jedoch vollkommen ruhig und gefaßt, er ſchloß ſein Buch und fuhr fort:

fIch hoffe, Sie werden Ihr Verſprechen nicht ver⸗ geſſen.

Nein, mein Herr, gewiß nicht.

Er bot ihr guten Abend, kam dann plötzlich wieder zurück und bemerkte: