Teil eines Werkes 
1.-6. Bdchen (1851)
Entstehung
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ſich doch der Glanz des Tages durch eine Entdeckung, welche die Seele der Vorſteherin mit Entrüſtung und Zorn erfüllte: welcher Art dieſe Entdeckung war, werden wir ſpäter ſehen.

Wenige Minuten waren verfloſſen, ſeit dem ſie in einem Tond, der nichts Gutes prophezeite, den Befehl ertheilt,Mademoiſelle Nathalie zu rufen, einen Befehl, deſſen ſich unſere Leſer aus den erſten Linien dieſes Capi⸗ tels erinnern werden, als die Thüre des Zimmers, wo ſie ſaß, ſich öffnete, und Marianne, die Dienerin, mit einem angezündeten Talglicht in einem alten plattirten Leuchter ein⸗ trei⸗ welchen ſie auf den Tiſch vor ihrer Herrin nieder⸗ etzte.

4Nun? fragte Mademoiſelle Dantin mit ſtrengem one.

Mademoiſelle Nathalie iſt nicht in ihrem Zimmer,

war die leiſe Antwort.

Nicht in ihrem Zimmer? und weßhalb hat ſie ein eigenes Zimmer, wenn ſie nicht darin iſt? rief die Vor⸗ ſteherin mit unterdrückter Leidenſchaftlichkeit.

Vielleicht iſt ſie hinausgegangen, um etwas friſche duf 3 dem Garten zu ſchoͤpfen, warf Marianne ſchüch⸗ ern ein.

Doch nicht zu dieſer Stunde, Marianne, antwortete majeſtätiſch Mademoiſelle Dantin;nein ich werde es nicht dulden, daß ein Glied meines Inſtitutes, das auch noch in anderer Hinſicht Fehler begeht, fügte ſie gefühl⸗ voll hinzu,gegen meine wohlbekannten Reglements im Garten und zu dieſer Stunde ſpazieren gehe.

Soll ich gehen und nachſehen, Madame?

Nein, Marianne, ich kann das nicht geſtatten; dies geſtatten, hieße zugeben, daß etwas derartiges überhaupt möͤglich iſt und das will ich nicht; ſieh in der Claſſe nach ihr. 5

Marianne verließ ſchw das Zimmer, aber de Thüre ſchloß ſich nicht hinter ihr, denn der Kopf und

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