Teil eines Werkes 
1.-6. Bdchen (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1

Erſtes Kapitel.

Bringe das Licht herein und ſage Mademoiſelle Nathalie, daß ich ſie augenblicklich zu ſprechen verlange.

Mademoiſelle Dantin äußerte dieſe Worte in einem ſtrengen, befehlenden Tone. Ein ſchüchtern ausſehendes Dienſtmädchen mit kegelförmiger normanniſcher Haube und kurzen Roͤcken von abſchreckendem Umfang verſchwand, denn horchen und gehorchen war bei ihr eins und die alte Schulvorſteherin ſank ſteif in ihren Armſtuhl zurück, während ſich ihre Stirne runzelte und ſie die Arme über die Bruſt faltete.

Es war ein froſtiger, normanniſcher Abend, beinahe für England kalt genug, und das Zimmer ſah bei der hereinbrechenden Dämmerung ſchon ziemlich dunkel aus. Durch die ſchmalen Scheiben einer niedrigen Glasthüre drang ein ſchwacher Lichtſchimmer, und man konnte die ſchattigen Umriſſe einiger ſchlanken Bäume im Garten draußen kaum unterſcheiden. So geſehen, ohne Licht oder Feuer, im abendlichen Halbdunkel, mit den weißen Land⸗ karten und den ſchwarzen Globen, mit den langen düſteren

Vorhängen und den ſteifen geradlehnigen Stühlen, hatte das

Zimmer ein ſehr unbehagliches Ausſehen; aber die welken Züge und das ſtrenge Geſicht von Mademoiſelle Dantin

machten ſie ſelbſt doch wohl zum traurigſten Gegenſtande,