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Kate erklärte, es habe in ganz Irland nie ein ſo hartnäckiges Kind gegeben. Cornelius ſah ſehr ernſt aus und ſagte, da ich das Privilegium, ſeine Tochter zu ſein, nicht zu würdigen wiſſe, ſo werde er auch nicht darauf beharren. Ich proteſtirte ſo lebhaft gegen dieſen Vorwurf, daß er endlich überzeugt ſchien, ſagte, es ſei ganz recht und mir gute Nacht wünſchte. Ich zögerte: er beſtand darauf, daß ich gehe.
„Ach!“ ſagte ich vorwurfsvoll,„Du biſt nicht ſo freundlich gegen mich, als Papa.“
„Warum nicht, Kind?“
„Wenn ich ihn gebeten, noch einen Augenblick bleiben zu dürfen: er würde nicht nein geſagt haben; er hätte viel⸗ mehr geſagt:„Ja, Margarethe, es iſt erſt Zehn; Du darfſt noch eine Viertelſtunde aufbleiben.“
„Nun denn, ſo bleibe,“ verſetzte Cornelius und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken;„aber Du wirſt eine Tochter, die fordert, ſtatt zu gehorchen.“
„Ein verzogenes Kind,“ ſagte Kate.
„Laß ſie,“ verſetzte er, legte ſeine Hand auf mei⸗ nen Kopf und fügte freundlich hinzu:„Kate, das Kind iſt der einzige Ruhm und die einzige gute That meines Lebens. Sie macht mich ganz ehrwürdig und väterlich in meinen Augen und wie ein guter Vater will ich flei⸗ ßig arbeiten, um ihr einſt eine hübſche Ausſteuer geben zu können.“
„Ich will nicht heirathen,“ ſagte ich verdrießlich, „ich will Dich nicht verlaſſen, Cornelius.“ 4
„Unſinn!“ ſagte Kate trocken,„Du wirſt es ma⸗ chen, wie Deine Mutter und davonlaufen, wenn Jemand Dich zu halten verſuchte?“
Ich läugnete: ſie beharrte auf ihrer Behauptung. Ich wollte einen heftigen Widerſpruch gegen den bloßen Gedanken, daß ich Cornelius verlaſſen könnte, einlegen, als er in's Mittel trat und ſagte, ſein väterlicher Stolz würde ſich ſehr verletzt fühlen, wenn ich auch nur den
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