Teil eines Werkes 
1.-6. Bdchen (1853)
Entstehung
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Cornelius erröthete, wurde blaß, erröthete wieder und ſah gereizt und verlegen zugleich aus.

Was iſt damit? fragte er endlich.

Nichts, antwortete ſie ruhig;ich denke nur bis⸗ weilen daran.

Cornelius antwortete nicht; er wandte ſich aber langſam nach mir herum, und als ich ſo neben ihm ſaß, meine beiden Hände um ſeine Schulter geſchlungen und meinen Kopf an ſie gelehnt, ſah ich, wie er mir einen ſo unruhigen und ſeltſamen Blick zuwarf, daß ich un⸗ willkürlich fragte:

Was iſt Dir, Cornelius?

Nichts, antwortete er raſch,aber glaubſt Du nicht, daß es beſſer wäre, Du gingeſt zu Bette?

Nun ja, gute Nacht, Cornelius; ich verſuchte ſein Geſicht zu dem meinen herabzubeugen; er ſchien verdrießlich und wandte ſich ungeduldig weg.

Ich ahnte, daß Du böſe auf mich biſt, weil ich draußen auf Dich wartete, ſagte ich und war nahe daran, in lautes Weinen auszubrechen;nun weiß ich's gewiß, weil Du mich nicht küſſen willſt.

Cornelius biß ſich auf die Lippen und gab mir einen ungeduldigen Kuß auf die Stirne, indem er kurz ſagte:

Da, Kind, biſt Du nun zufrieden?

Ja, aber darf ich Dich nicht auch küſſen? fragte ich in demſelben thränenvollen Tone.

Thu was Du willſt, verſetzte er, indem er ſich in ſein Schickſal ergab und mir geſtattete, ihn zu um⸗ armen.

Ich bin überzeugt, Du biſt noch böſe auf mich, ſagte ich und hing mich an ihn feſt, wie Kinder zu thun pflegen;Du ſprichſt ſo ſtreng und ſiehſt mich ſo feind⸗ ſelig an. Er lächelte, ſeine Stirne glättete ſich; ſein Blick richtete ſich von mir auf ſeine Schweſter.

O Kate, ſagte er,ſie iſt ein gutes Kind, und