fand der Freiherr Gelegenheit, mir, indem er meine Hand mit der ihm eigenen überlegenen Milde faßte, zu
„ ſagen:„Sie waren heute Abend ſehr ſtill, liebe Mar⸗
garethe, und ſehen nicht wohl aus; mir, Ihrem Vetter, müſſen Sie ſchon erlauben, ein wenig zu controliren. Ich werde Sie morgen in Beſchlag nehmen; Sie haben mir Mancherlei zu berichten.“
Dabei ſah er mich an, bald aber kam ein Ausdruck der Abweſenheit in ſeine Augen, bei dem ich plötzlich bittern Schmerz empfand; er blickte gleichſam über mich hinaus in die Ferne.„Wer weiß, an wen er jetzt denkt“, ſagte ich zu mir ſelber;„an dich gewiß nicht“, und ich entzog ihm meine Hand, indem mich zum erſten Mal ein Gefühl der Demüthigung wegen meiner uner⸗ widerten oder vielmehr lange nicht genug erwiderten Liebe überkam; denn daß der Freiherr eine verwandt⸗ ſchaftlich freundliche Neigung zu mir hegte, konnte ich wohl merken. Aber es hielt nicht an; ich ſchlief an jenem Abend ein, indem mich die ſüße Erwartung des morgenden Tages, wo ich mit ihm zuſammenſein würde, wie mit roſigen Flügeln überſchattete.


