Teil eines Werkes 
2. Bd. (1853)
Entstehung
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Ach, Herr, es iſt freilich ſehr traurig für Sie; aber das Schickſal des alten Herrn iſt noch trauriger, als das Ihre. Um des Himmels willen, überwinden Sie Ihren Kummer und gehen Sie zu ihm. Sie ſind jung und er iſt alt. Sie haben lange Jahre und vielleicht heitere Tage vor ſich. Er hat nur Dun⸗ kelheit und Einſamkeit bis zum Grabe zu erwarten. Sie haben eine geliebte Perſon verloren, doch können Sie vielleicht wieder lieben. Aber er hat die Einzige verloren und kann nicht mehr lieben. Gehen Sie zu ihm, Herr. Gehen Sie zu ihm; denn ihr ganzes Herz war in Ihnen und er wird glauben, daß ſeines Kindes Geiſt mit ihrem Gatten zurückkehrt, um ihn zu beſuchen. Er hat noch Nichts genoſſen, ſeitdem wir ſie auf jenes Bett niederlegten, und kein Kummer gleicht dem eines alten Mannes um den Tod ſeines einzigen Kindes.

Ich faßte die Hände des guten Geſchöpfs und drückte ſie, obgleich ich nicht ſprechen konnte, und ſuchte dann den beraubten Vater auf.

Ich fand ihn in ſeinem alten Zimmer, ein hal⸗ bes Dutzend Bücher zu ſeinen Füßen liegend. Alle ſeine Lebhaftigkeit war dahin. Er war jetzt ruhig und ſtill genug; als er mich aber ſah, ſprang er auf und wir umarmten einander wie Vater und Sohn und weinten bitterlich.

Wir nannten nie ihren Namen und ich erinnere