Teil eines Werkes 
2. Bd. (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Vaters, wenn ſie auch dauernder ſein mag, kälter ſein muß.

Wir legten ſie in ihr ſtilles Grab. Wir miſch⸗ ten unſere Thränen und kehrten zu dem Hauſe zurück, welches jetzt für uns Beide einſam war. Wir ſpra⸗ chen kein Wort von künftigen Plänen. Wir trafen keine Anorduimngen, Wir ließen uns auf kein Ge⸗ ſchäft ein. Das Leben, welches dahingeſchwunden war, bildete ein Band zwiſchen uns, welches ihm und mir als unzertrennlich erſchien. Anfangs gab ich mich meinem Kummer hin ſaß in dem kleinen Zimmer, welches ſie bewohnt hatte, weinte an der

Seite des Bettes, wo ſie in meinen Armen und in den Armen des Todes gelegen, und empfand tief die erſte Vernichtung meiner irdiſchen Hoffnungen. O wie lieb⸗ lich, wie ſchön, wie angenehm war die Erinnerung an ſie, und wie bitter, wie ſchrecklich der Gedanke, daß ich ſie nie wieder in meinen Armen halten konnte.

Zwei Tage lang war ich ſehr ſelbſtſüchtig ich dachte nur an mich und an meinen traurigen Ver⸗ luſt. In der letzten Woche hatte ich ſie mehr lieben gelernt, als ich ſie je vorher geliebt. Es ſchien in der That, als wären wir Eins geworden und als liege mein Herz mit dem ihrigen todt im kalten Grabe.

Ich wurde aus dieſer Betäubung durch die alte Dienerin erweckt, die hereinkam, als ich daſaß, und

in ihrer einfachen Weiſe zu mir ſagte: