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eine Thräne. Der große indianiſche Krieger hatte keine Thränen für einen irdiſchen Kummer, obgleich er ſo bekümmert war, als wenn er ein eigenes Kind verloren hätte. Die Quelle in dem Herzen des Herrn Prevoſt war durch die feurige Heftigkeit ſeines Kum⸗ mers vertrocknet. Walter hatte insgeheim lange ge⸗ weint, aber der Stolz der Männlichkeit wollte ihm nicht geſtatten, ſeine Wangen in Gegenwart von Sol⸗ daten zu benetzen. Woodchuck's Augen waren auch trocken, denn ſechs lange Monate hatte er ſein Herz gewöhnt, die irdiſchen Dinge ſo leicht anzuſehen, daß, obgleich er um Editha's Schickſal trauerte, es mit einem Kummer geſchah, den er hätte empfinden kön⸗ nen, eine ſchöne Blume von einem rauhen Fuße nie⸗ dertreten zu ſehen, und eine glänzende Hoffnung miſchte ich mit dem Schatten ſeines Schmerzes, denn er ſagte häufig bei ſich ſelber:
„Sie ſind nur für heute getrennt, um morgen einander an einem glücklicheren Orte wiederzuſehen.“
Als die Proceſſion ſich dem Hauſe näherte, ka⸗ men die Diener, ein junges ſchönes Mädchen in in⸗ dianiſchem Koſtüm an ihrer Spitze, heraus ihr entge⸗ gen. Sie trug zwei kleine Kränze in der Hand, den einen von hellen Frühlingsblumen, den andern von dunklem Immergrün gewunden, und als die Solda⸗ ten einen Augenblick mit ihrer Laſt anhielten, legte ſie die Blumen auf Editha's Sarg, und das Immer⸗


