Teil eines Werkes 
4. Bd. (1853)
Entstehung
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Hohe Frau, Ihr ſeid Königin von Frankreich. Seine Majeſtät Karl der Sechſte iſt dahingeſchieden.

Die Königin ſtand wie verſteinert da; denn ſo oft hatte man berichtet, daß der unglückliche König krank ſei, und dann, daß er wieder hergeſtellt ſei ſo wenig war von ſeinem wahren Zuſtande außerhalb der Mauern des Hotel St. Pol bekannt, und ſo langſam verbreiteten ſich die Nachrichten in jenem Theile von Frankreich, daß man in dem Schloſſe Espaly keine Ahnung von dem bevorſtehenden Ereig⸗ niſſe hatte. Nachdem ſie Agnes einen Augenblick in's Geſicht geſehen, ſchlug ſie ihre Augen nieder, blieb eine kurze Zeit in tiefem Nachdenken und rief dann:

Aber was iſt am Ende mein Gemahl? Ein König faſt ohne Beſitzungen, ein Feldherr ohne Armee, ein Herrſcher ohne Macht oder Mittel. Steht auf ſteht auf, liebe Agnes.

Und deren Hals mit ihren Armen umſchlingend, vergoß Marie von Anjou Thränen. Dies waren ge⸗ wiß keine Thränen der Trauer um den Abgeſchiedenen, denn ſie war wenig bekannt mit dem verſtorbenen Könige wir wiſſen nicht einmal aus der Ge⸗ ſchichte, daß ſie ihn je geſehen. Aber alle plötzlichen

Regungen ſprechen ſich gewöhnlich in Gelächter oder

in Thränen aus. Man hat oft bemerkt, daß die Freude ihre Thränen hat, ſo wie der Kummer, aber Wenige haben die Ouelle ergründet, aus welcher jene