l⸗
17
Neugierde— nicht ohne jene ängſtliche Erwartung, womit die Jugend gewöhnlich einem plötzlichen Wech⸗ ſel des Lebens entgegen geht, doch mit einer äußer⸗ lichen Ruhe, die nur die frühe Disciplin in der har⸗ ten Schule der Welt gewähren konnte. Es ſchien ihm in der That, als beabſichtige ſein Begleiter die
ganze Stadt Paris zu durchſchreiten; denn indem er
ſeine Richtung zu dem Stadtviertel St. Antoine nahm, ſtand er zwanzig Minuten nicht ſtill, außer bei einer Gelegenheit, wo, gerade als ſie in eine der Haupt⸗ ſtraßen eintraten, ein halbes Dutzend Männer mit Fackeln raſch daherkam, welchen zwei oder drei zu Pferde und mehrere zu Fuß folgten. Jacques Coeur zog ſich in den Schatten zurück und hüllte ſich dichter
in ſeinen Mantel; als aber die Reiter vorüber waren, ging er weiter und flüſterte ſeinem Begleiter zu:
„Das iſt der Marquis de Giac, ein Günſtling
des Herzogs von Burgund— oder vielmehr der Ge⸗ mahl der Favoritin des Herzogs. Er iſt mir tauſend
Kronen ſchuldig, und begegnet mir daher nicht gern.“
Noch fünf Minuten, und ſie kamen zu einer hohen
Mauer, die zwei Thürme an jedem Ende hatte, faſt gleich denen einer Kirche, und ein großes Thor mit
einem Pförtchen in der Mitte. In jenen Tagen wa⸗
ren die Klöſter in Paris häufiger, als die Bienenſtöcke,
und Jean Charoſt würde auf die Mauer eines großen,
düſter ausſehenden Gebäudes, welches ſich hinter dem⸗ Agnes Sorel. J. 2


