9
in der Schlacht von Worceſter davongetragen— habe dieſe krankhafte Laune wunderbar vergrößert.
Die Mutter war allerdings voll Zärtlichkeit und Sanft⸗ muth, und ihr hatte er es ohne Zweifel zu danken, daß die Milch menſchlicher Güte ihren Weg in dieſes ſtarke Knaben⸗ herz gefunden hatte. Aber ſie liebte ihren älteſten Sohn am meiſten, und es war ein Unglück, daß ſie dies nicht ver⸗ hehlte. 3
Der Bruder war ein wilder, ungeſtümer, raſtloſer junger Mann, etwa drei Jahre älter wie er; er liebte den jüngeren zärtlich, fand aber oft ein Vergnügen daran, ihn zu reizen oder ſolches wenigſtens zu verſuchen, denn es gelang ihm nur ſelten. Er war der Liebling, ziemlich verzogen und mit vieler Nachſicht behandelt, und was da geſchah, geſchah für ihn. Im ganzen Hauſe wurde er am meiſten berückſichtigt; ſein war jedes Vergnügen, ſein waren alle Vortheile. Eben jetzt war die Familie abweſend, um ihn die Hauptſtadt ſei⸗ nes Geburtslandes ſehen zu laſſen, ſein Gemüth der großen Welt zu eröffnen und ihm das Leben in ausgedehnterem Maßſtabe zu zeigen, als dies auf dem Lande geſchehen konnte; den jüngeren Bruder hatte man zu Haus gelaſſen, um in trüber Einſamkeit ſeine Studien fortzuſetzen.
Er beklagte ſich jedoch nicht häufig; nur ſelten kam ein Murren in ſein Herz, und er bemühte ſich, dies Alles ganz in der Ordnung zu finden. Seine Beſtimmung lag vor ihm: er ſollte ſein Glück durch ſich ſelber machen, durch ſeine eigenen Fähigkeiten, ſein eigenes Wiſſen, ſeine eigenen Anſtrengungen. Er mußte alſo ſtudiren, und ſein höchſter


