7
626
der Ruthvens und Halyburtons weiter zog, den er jedoch erſt gegen acht Uhr erreichte, da er unterwegs etwas auf⸗ gehalten worden war. Er wurde alsbald vor die alte Gräfin geführt, welche in jenem Augenblicke neben der Braut ihres Sohnes ſtand und Julien zuſah, wie ſie aus dem Gedächtniſſe ein Porträt Gowrie's zeichnete. Jeder Zug ſeines Geſichtes war ihr ſo tief eingeprägt, daß ſie, die eine vollendete Meiſterin in dieſer Kunſt war, das Bild mit leichter Mühe auf die Leinwand übertrug. Sie brauchte blos den Blick zu heben und die leere Luft durch die Macht ihrer Fantaſie zu beleben, um Gowrie in all' ſeiner jugend⸗ lichen hochſinnigen Schönheit vor ihres Geiſtes Auge hin⸗ zuzaubern.
Als Auſtin Jute eintrat, wendete ſich die Gräfin halb gegen ihn mit den Worten:
„Ich glaube Euren Auftrag ſchon zu wiſſen, guter Mann. Die Freude auf meines Sohnes Ankunft wird ſich um einen Tag verzögern. Iſt dem nicht ſo?“
„Sie wird verzögert werden, Madame,“ erwiederte Auſtin in ſo ernſtem Tone, daß Julia augenblicklich den Pinſel fallen ließ und aufſprang.
„Was ſagte er?“ rief ſie, ihre glänzenden Augen voll Spannung auf des Dieners Geſicht heftend.„Auſtin, Auſtin, was iſt vorgefallen?“
„Mein theures Kind, rege Dich nicht zu ſehr auf,“ ſagte Gowrie's Mutter in beſänftigendem Tone.„Du weißt, daß der König geſtern unſeren William auf heute zu ſich nach Perth beſchieden, und wenn Gowrie den König


