einſt offenbar ſehr kräftig geweſen ſeyn. Jetzt war ſeine Ge⸗ ſtalt etwas gebückt; Bart und Haare waren ſchneeweiß⸗ ſeine Haut war mit Ausnahme der hohen Stirne und des kahlen Scheitels mit Runze bedeckt. Alle Zeichen des Alters waren vorhanden, nur die Zähne waren friſch und anſcheinend unverſehrt, auch die Hand, welche, vielleicht mit einziger Ausnahme des Ohrs, deutlicher als jeder andere Theil des Körpers das Vorrücken des Alters beweist, ſah nicht ſo beinern und abgezehrt aus, wie ſie oft in ſpäten Lebenstagen ſich zeigt. Das Geſpräch ging allmälig und unvermerkt zu ruhi⸗
geren Gegenſtänden über. Der junge Earl erzählte Vieler⸗
lei, was ihm ſeit ſeiner Abreiſe von Padua vorgekommen
war, was zwar dem heutigen Leſer nicht ſehr ergöͤtzlich ſeyn 3
dürfte, für die damaligen Zuhörer aber von Intereſſe war.
Auch der Greis hatte von den Veränderungen zu berichten, welche in Padua eingetreten waren, noch öfter aber erzählte er von den Ergebniſſen ſeiner eigenen Forſchungen im Ge⸗ biete der Wiſſenſchaft. Tief beleſen in der Naturphiloſophie, wie er war— obwohl wir ſie damals, ehe der unſterbliche Baco ein richtigeres Forſchungsſyſtem begründete, mit den Träumen der Alchymie und willkürlicher Aſtrologie vielfach vermiſcht finden— wußte er von vielen Gegenſtänden zu handeln, welche Lord Gowrie's Ohren vertraut waren, da deſſen ganze Familie eine ſtarke, ungewöhnliche Vorliebe für Erforſchung der Naturgeheimniſſe beſaß. Der alte Mann
ſchien in der Gegenwart ſeines jungen Freundes neu aufzu⸗
leben und gewann bald jenes heitere Weſen wieder, das ihn


