Ormebar waren im ganzen Lande berühmt. Der luſtige Monarch ſelber hatte das Geſchenk von einigen Paaren der renommirten Vögel aus dieſer Zucht als eine werthvolle Gabe betrachtet, und eine große Falkenjagd zu Ormebar durfte darauf zählen, Alles, was die Grafſchaft von Heiter⸗ keit und Anmuth darbot, in ihrem Kreiſe zu vereinigen. Nur zweierlei Umſtände wurden von den Gäſten als auffallend betrachtet: nämlich, daß der junge Lord Colden⸗ ham aus höͤchſt ungenügenden Gründen im Schloſſe nicht anweſend war, und daß Margarethe Woodhall, öffentlich als ihres Vetters Robert verlobte Braut anerkannt und mit ihrem Vater im Schloſſe wohnend, an keiner der Jagdpar⸗ tien oder ſonſtigen Luſtbarkeiten Antheil nahm, wenn ſie auch ſonſt bei den Mahlzeiten in der Halle erſchien, daß ſie ſich ferner, auch wenn man ſie ſah, faſt immer mit bleicher Wange und kummervoller Stirne in ihre eigenen Gedanken weertieft zeigte, und daß ihr auch die heiterſten Scherze, die höchſten Luſtbarkeiten kein Lächeln abgewannen. Sie ſchien an Nichts Antheil zu nehmen, ſchien kaum irgend Etwas um ſich her zu beachten; ſie ſah aus wie eine Perſon, welche im Traume und zwar in einem ſchweren Traume wandelt, und vergeblich war jeder Verſuch, ihre Aufmerkſamkeit zu erregen oder ihre Theilnahme zu erwecken. 8 Lady Coldenham ſchien mehrere Tage lang dieſes Be⸗ nehmen nicht zu bemerken: ſie ließ es hingehen, wie wenn es keine Beachtung verdiente. Endlich aber als Marga⸗
eethe eines Tags allein ſaß, trat die herriſche Frau in's Zim⸗ mer und ſetzte ſich mit einer Miene ſtolzer Verachtung zu ihr.


