Teil eines Werkes 
1. Th., 2. Bdchn (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

247

VII. Von der Beſchaffenheit der Hierarchäe in Aethiopien.

Es war ſchon fruͤher davon die Rede, daß auch die oberſte Kirchen⸗Gewalt Aethiopiens in den Haͤnden des Koͤnigs liege, und alles, was in das Ge⸗ biet der Gerichtsbarkeit faͤllt, wird demnach, gering⸗ fuͤgige Sachen ausgenommen, von koͤniglichen Richtern entſchieden. Nur rein geiſtliche Gegenſtaͤnde, wie Ordinations⸗ und Dio ceſan Angelegenheiten ſind dem Ermeſſen der Kleriker uͤberlaſſen. Man ſieht hieraus, daß die Gewalt der Habeſſiniſchen Geiſtlichkeit ſehr beſchraͤnkt iſt. Ja dieſe erfreut ſich nicht einmal der gewoͤhnlichen geiſtlichen Privilegien, ſo daß ſelbſt gewaltſame Handanlegung an einen Kleriker nichts weniger, als Erkommunieation nach ſich zieht.

Das Haupt der Habeſſiniſchen Cleriſey iſt der Metropolit Abbuna, d. i. Vater genannt. Derſelbe wird immer auf Anſuchen des Koͤnigs von dem Patriarchen zu Alexandria geweihet, und aus Aegypten nach Aethiopien geſchickt, da die Aethiopier vermoͤge des Kirchenraths zu Nieaͤa keinen andern Metropoliten haben duͤrfen, als einen ſolchen, der in kirchlicher Hinſicht unter dem Patriarchen von Ale⸗ randria ſteht. Die Habeſſinier ſind zu engbruͤſtig, als daß ſie ſich uͤber dieſe alte Sitte und Vorſchrift binausſetzten, obgleich ſie ihnen ſchon viel Nachtheil und Ungluͤck bereitete, und zwar aus folgendem Grun⸗