204
engel ergreift; er ſagt ihm hierauf das letzte Lebe⸗ wohl, und um wohl bezahlt zu werden, ermangelt er nicht, der Familie die beſten Nachrichten von dem Todten zu bringen.
Man ſetzt auf das Grab zwei kleine Saͤulen, oder zwei lange Stuͤck Marmor, die ziemlich gut gearbei⸗ tet ſind, das eine zum Kopfe, and, wenn es eine Mannsperſon iſt, mit einem Turban, worauf der Name des Verſtorbenen geſchrieben iſt, nebſt einem kurzem Lobſpruche; das andere zu den Fuͤßen, ohne irgend einige Zierath.
Man ſieht um Konſtantinopel ganze Felder von ſolchen kleinen Steinen bepflanzt, und es ſind ihrer ſo viel, daß man dieſe ganze große Stadt damit ein⸗ faſſen koͤnnte; ja, die Todten nehmen in der umlie⸗ genden Gegend ſo viel Platz ais die Lebendigen ein.
Auf was Guys am meiſten bei der ganzen Lei⸗ chen⸗Ceremonie Acht hatte, war das Geſicht des Va⸗ tes, das ſich leicht unterſchied. Es war ein ehrwuͤr⸗ diger Alter, deſſen Geſicht ein Abdruck eines maͤnn⸗ lichen Schmerzens war, ohne irgend eine aͤußerliche Grimaſſe, die fuͤr eitle Troͤſter ſo eine ſchoͤne Veran⸗ laſſung zu unnützen Vorſtellungen und allgemeinen
Spruͤchen iſt. Uebrigens ſind die Tuͤrken in dieſem
Punkte die vernuͤnftigſten Menſchen: man ſieht es vorzuͤglich bei oͤffentlichen Unglücksfaͤllen. Der Grieche bricht bei ſolchen Gelegenheiten in ein Geſchrei und


