Teil eines Werkes 
2. Th., 2. Bdchn (1829)
Entstehung
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Ein beſonderer Gebrauch herrſcht auch bei den Thraciern und Griechen von Negropont, daß ſie ſich vorne den Kopf ſcheeren und nur die hinterſten Haare wachſen laſſen.

Nun wird kaum etwas vergeſſen ſeyn, was in der Kleidung der griechiſchen Weiber intereſſant und den alten Gebraͤuchen gemaͤß iſt. Nur das iſt noch zu erinnern, daß dieſes Volk, ſo leichtſinnig es auch iſt, ſo ſehr man es auch nach jeder Art von Neuigkeit begierig mit Recht ſchildert, doch niemals, wie wir, von dem Eigenſinne und der Unbeſtaͤndigkeit der Mode, die uns ganz uͤberwaͤltiget, abhaͤngt. Es wuͤr⸗ den ſogar wichtige Urſachen ſeyn muͤſſen, wenn es etwas in dem Anzuge der Weiber aͤndern ſollte.

VIII. Doch genug von Kleidung und Putz der Damen; wenden wir uns zu dem National⸗Charakter der neuern Griechen. Da ſich dieſer Charakter am meiſten in der Geſellſchaft entwickelt, ſo muß man in dieſer lauſchen, um das lebhafte Feuer zu erkennen, das noch niaet erloſchen iſt, und in den Werken der Alten glaͤnzet. Dieſe brennende Einbildungskraft,

wweiche ſchafft, die Gegenſtaͤnde belebt, die alles ſtark ausdruͤcket, die die Goͤtter der heidniſchen Mythologie, dieſes Gewebe glaͤnzender Luͤgen, vervielfaͤltiget hat, haben die neuern Griechen mit alle dem, was ſie von ihren alten Irrthuͤmern haben beibehalten koͤnnen, auch beibehalten. Lebhaftigkeit, ſcherzhafte Einfaͤlle, Ueberfluß, Nachdruck, Waͤrme, Leichtigkeit des Aus⸗