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VII. Der Gebrauch des Schleiers iſt ſehr alt, indem man ihn zu den entfernteſten Zeiten eingefuͤhrt findet. Der Schleier, der die Schaam anzuzeigen ſcheint, und die unſchuldige Roͤthe der furchtſamen Jugend bedecket, war jederzeit die Zierde der Schön⸗ heit und der Grazien. Man darf den griechiſchen Weibern den Vorwurf nicht machen, daß ſie ihn nicht treulich ſollten beibehalten haben. Er machet noch, wie ſonſt, einen weſentlichen Theil ihrer Kleidung aus, und durch ihn werden die Staͤnde unterſchieden. Der Schleier der Frau und der Magd, der Freiin und der Sklavin gehen von einander ab. Es iſt eine Kunſt, ihn gehoͤrig zu legen, und ſich auf eine wohl⸗ anſtaͤndige und angenehme Art zu ſchleiern. Dieſer Schleier bedeckt den Kopf und einen Theil des Leibes mithin iſt er ſehr lang, und ohne Zweifel heißt er um dieſer Laͤnge willen bei den neuern Griechen Macramà, von dem Worte ul‿ιααας.
Indeſſen bedeckt der griechiſche Schleier nicht das Geſicht, ſo wie der tuͤrkiſchen Weiber ihrer: deswegen nehmen auch die heutigen Griechinnen dieſen letztern, um ſich deſto ſorgfaͤltiger zu verbergen, und ſich nicht gewiſſen Beleidigungen auszuſetzen, wenn ſie weit weg in die Quartiere der Tuͤrken gehen.
Als die Tuͤrken nach Griechenland kamen, ſagt Monteſavieu, ſo waren ſie, da ſie das haͤßlichſte Volk waren, uͤber die Schoͤnheit der griechiſchen Weiber ſo entzuͤckt, daß ſie keine andere haben wollten. Sie


